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Die Deutschlandakte. Was Politiker und Wirtschaftsbosse unserem Land antun

Die Deutschlandakte. Was Politiker und Wirtschaftsbosse unserem Land antun
Autor: Hans Herbert Von Arnim
Urheber: Hans Herbert Von Arnim
Verleger: C. Bertelsmann Verlag

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Bewertung: 4.5 von 5 Sternen 3 Rezensionen
Verkaufsrang: 21780

Medium: Gebundene Ausgabe
Seiten: 368
Versandgewicht: 1
Maße (innen): 8 x 5 x 1.1

ISBN: 3570010244
EAN: 9783570010242

Publikation: April 29, 2008
Verfügbarkeit: Gewoehnlich versandfertig bei Amazon in 24 Stunden

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Kundenrezensionen:

4 von 5 Sternen Verstaendliches Grundlagenwerk mit kleinen Versaeumnissen   Mai 31, 2008
Dr. J. Doellein (Neuoetting)
36 aus 38 fanden die folgende Rezension hilfreich

Also zuerst einmal muss sicher klargestellt werden: es handelt sich in diesem Buch um eine der besten und konzentriertesten Darstellungen unserer volksfernen Parteienherrschaft, die ich so brilliant und auf den Punkt gebracht bisher noch nicht gelesen habe. Gerade wenn man engagiert im Fussvolk einer Partei arbeitet, wird man schnell mit dem gewuenschten Konformismus und dem Wunsch nach einsilbiger Widerspruchslosigkeit konfrontiert, der allein das hierarchische Klettern ermoeglicht. Deshalb verdient dieser Teil des Buches sicherlich in meinen Augen eine mehr als fuenfsternige Bewertung.
Was mich, bei aller hervorragenden Kritk an unserem System allerdings schwer enttaeuscht, zeichnet sich bereits bei von Arnims Verlagswahl ab: Ich war erstaunt, dass ein systemkritisches Werk gerade aus dem Hause Bertelsmann kommen kann, das ja, ueber die Bertelsmann Stiftung, quasi als Motor hinter unzaehligen Negativeffekten unserer derzeitigen Sitution zu finden ist. Er vermeidet, trotz der Nennung des Lobbyisten Elmar Brook die Frage, warum denn eine gemeinnuetzige Siftung ueberhaupt eine europaeische Lobby braucht, von Arnim geht kaum auf die unselige Rolle des kommerzialisierten Fernsehens ein (die RTL-Gruppe gehoert Bertelsmann), zitiert nicht die unsaeglichen Veroeffentlichungen aus dem Gruner+Jahr Verlag (Bertelsmann) und vermeidet voellig die Einfluesse der privaten Stiftung im Bereich der Politikberatung (von Weidenfeld, CAP).
So bleibt eine Frage im Raum, die durch den Wunsch des Autors nach "mehr Wettbewerb" im Politikbereich und den uralten Mohnschen Wuenschen nach einer Uebertragung marktwirtschaftlicher Ablaeufe in allen Lebensbereichen nicht vermindert wird: Schreibt hier von Arnim oder schreibt Bertelsmann?
Andererseits muss ich nochmal sagen, der Wunsch nach direktdemokratischen Elementen auf Bundesebene ist eine Loesung unserer derzeitigen Politagonie. Die kritische Erfassung aller drei Gewaltbereiche und deren verfassungswidrige Abhaengigkeit voneinander sind sehr gut gelungen. Die Korruption und die Plutokratie kann man kaum besser schildern und zum Ende gefiel mir am besten auch die Unterscheidung zwischen Bourgois und Citoyen, mit der man kaum besser die zukuenftige Entwicklung unseres Buergertums beschreiben kann, falls es wirklich muendig werden moechte.
Insgesamt wirklich ein sehr lesenswertes Buch, man sollte halt vorher den Namen Bertelsmann etwas einordnen koennen;-)



5 von 5 Sternen Zeichen unserer Zeit erkennen   Mai 23, 2008
Keno Grimmelshausen (Helgoland)
11 aus 13 fanden die folgende Rezension hilfreich

Sinkende Wahlbeteiligungen und steigende Stimmenanteile fuer linke und rechte Parteien werden von Medien und etablierten Politikern gern als Politikmuedigkeit/-verdrossenheit interpretiert; verschaemt taucht auch schon mal das Wort 'Vertrauensverlust' auf. Schnell ist dieses Lamento jedoch vergessen, man geht zum gewohnten Business-As-Usual ueber. Warum scheuen Politik- und Meinungsmacher weitgehend tiefer schuerfende Analysen? Die Antworten duerften sich in v. Arnims 'Die Deutschlandakte' finden. Zu erschreckend und ungeheuerlich sind die Analyseresultate, zu grundlegend waeren die notwendigen Konsequenzen fuer das 'System', als dass sie von den Verantwortlichen ernsthaft in Erwaegung gezogen wuerden. Mag da auch ein Bundespraesident v. Weizsaecker bereits 1992 den Parteien Aushoehlung der Demokratie, sein Nachfolger Herzog erst kuerzlich den Politikern krassen fachlichen Dilettantismus vorgeworfen haben oder Guenter Grass 2005 anlaesslich des 60. Jahrestages des Kriegsendes von einer vertanen Chance eines echten demokratischen Neuanfangs in Westdeutschland und von der Bundesregierung als einer Dependance der Boerse gesprochen haben - statt einer ernsthaften Auseinandersetzung gab es allenfalls Anfeindungen.

Handelt es sich bei den von v. Arnim angesprochenen Problemen wie Verhinderung der Volkssouveraenitaet, Gefaehrdung des Gemeinwohls, Erosion der Gewaltenteilung, Staatsverschuldung, Bildungsmisere, Spiel der Energiekonzerne mit dem Strompreis, subversivem Lobbyismus, Selbstbedienung seitens der Politiker, Parteibuchwirtschaft, Korruption (um nur einige Themen des Buches zu nennen) etwa um unvermeidbare, letztlich irrelevante Schoenheitsfehler einer jeden Demokratie? V. Arnim zeigt, dass es sich um existenzielle und damit dringend loesungsbeduerftige Probleme handelt. Mehr noch, er zeigt verfassungsgemaesse, in anderen Laendern praktizierte Moeglichkeiten zur Behebung dieser Missstaende auf.

Er ist mit seinen Warnungen keineswegs ein einsamer Rufer in der Wueste. Nur 2 Beispiele. In 'Der gekaufte Staat' weisen Kim Otto et.al. nach, "wie Konzernvertreter in deutschen Ministerien sich selbst ihre Gesetze schreiben". Gabor Steingart zeigt in seinem Buch 'Weltkrieg um Wohlstand' nicht nur auf, vor welch noch nie da gewesener Herausforderung Westeuropa durch die Globalisierung steht, sondern auch welche Versaeumnisse u.a. deutsche Politiker hinsichtlich der "Strategien der Gegenwehr" aufzuweisen haben und dabei den Verlauf auch noch als naturgegeben und unabaenderlich schoen reden.

Was passiert mit Gesellschaften, die die Zeichen ihrer Zeit nicht rechtzeitig erkennen wollen nach dem Motto 'so schlimm wird es wohl nicht kommen'. Die Geschichte ist doch voll von solchen Beispielen: Das 'Reich der Mitte' im 19. Jh. vor seinem faktischen Zusammenbruch, an den sich ein Tal der Traenen anschloss (auffallend, wie viele damalige Phaenomene den von v. Arnim geschilderten gleichen), Deutschland 1928/29. Man wird aber auch in der Gegenwart fuendig: Italien im Jahre 2008 - die Unregierbarkeit hat dort bereits solche Ausmasse angenommen, dass es aufgrund von Parteien-/Buerokratiefilz und Mafia innerhalb von 8 Jahren nicht moeglich ist, ein solch praktisches Problem wie die Muellentsorgung Neapels zu loesen. Hilft da der Standpunkt 'Deutschland ist nicht Italien' weiter? Manchmal hat Italien fuer Deutschland eine Vorreiterrolle gespielt, z.B. 1922 mit Mussolini. 11 Jahre spaeter kam es dann in Deutschland noch viel schlimmer.



4 von 5 Sternen Scharfer Blick auf die Oligarchie   Mai 18, 2008
Dr. Alberts (Bremen)
15 aus 22 fanden die folgende Rezension hilfreich

Seit Jahrzehnten beschaeftigt sich v.Arnim mit der Politikerkaste. Fuer den Bund der Steuerzahler hat er immer wieder das Verguetungssystem fuer die Oligarchie durchleuchtet. Nun ein weiteres Buch:

"Glaubt man dem Autor, dann ist in Parlamenten, Ministerien und Aemtern nichts, wie es scheint - und nichts, wie es sein sollte. Arnim sieht eine "politische Klasse" an der Macht, die vor allem eines tut: den Waehler taeuschen. Damit ruehrt sie nach seiner Meinung an die Grundfeste der Verfassung."Verfassung, Gewaltenteilung und politischer Wettbewerb werden unterlaufen", so Arnim in seinem Buch. Dem politischen System fehle die demokratische Legitimation. Die werde "als politische Formel nur vorgeschoben" und diene dazu, die Monopolmacht der politischen Klasse zu tarnen.

Arnim brandmarkt den "Wahrheitsstau" im politischen System. Persoenliche Interessen der Entscheidungstraeger, ihre "Machtversessenheit" und ein gravierender Mangel an Kontrolle haben nach Ansicht des Autors die politischen Institutionen pervertiert. Mit einer Fuelle von Beispielen fuer Aemterpatronage, Korruption und Parteikartellen in den deutschen Parlamenten sucht er seine These vom systematischen Machtmissbrauch der "politischen Klasse" zu untermauern."

Darin liegt das Paradoxon seiner Taetigkeit. Arnim's Haltung "lebt" von dem Fehlverhalten einer politischen Klasse. Sie lebt umso mehr auf, je mehr man Verderbtheit behauptet. Erst durch die Behauptung, es geschehe systematisch, wird der Machtmissbrauch skandalisierbar. Es besteht die Gefahr, das ganze System nur noch unter dem Aspekt des Missbrauchs zu sehen, Verallgemeinerungen und Vergroebderungen des Anliegens wegen vorzunehmen.

Gerade diese Verallgemeinerung schwaecht das Anliegen, denn die Verallgemeinerung ist entkraeftbar. Und auf diese Weise ist die Kritik dann abwehrbar- das ist dann der ewige Noergler aus Speyer.

Viel schwieriger ist ohnehin, das Zusammenwirken von fehlerhaften und fuer das Gemeinwesen bedeutsamen Verhalten zu untersuchen. Es ist moeglicherweise viel komplexer und damit wird ein Vorgehen dagegen auch nicht gerade leichter. Das Bemerkenswerte ist doch, dass Systeme trotz aller Skandale ( anderswo haben sie noch ganz andere Dimensionen) ueberleben- vor mir aus muddling through- aber sie ueberleben.

Waere das nicht ein weiteres Buch wert ?





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