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Unser Jahrhundert: Ein Gespräch

Unser Jahrhundert: Ein GesprächAutoren: Helmut Schmidt, Fritz Stern
Urheber: Helmut Schmidt, Fritz Stern
Verleger: C.H. Beck

Kaufen Gebraucht: EUR 15,00
Stand 1.8.2010 06:08 CEST Einzelheiten

Erhältlich


Neu (64) Gebraucht (17) ab EUR 15,00

Verkäufer: louvre11
Bewertung: 4.5 von 5 Sternen 27 Rezensionen
Verkaufsrang: 699

Medium: Gebundene Ausgabe
Ausgabe: 1
Seiten: 288
Versandgewicht: 1.1
Maße (innen): 8.7 x 5.8 x 1

ISBN: 3406601324
EAN: 9783406601323

Publikation: Februar 15, 2010
Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen

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Redaktionelle Rezensionen:

Aus der Amazon.de-Redaktion
Nicht schon wieder! Gibt es denn außer Helmut Schmidt (oder Richard von Weizsäcker) wirklich niemanden, der kompetent und umfassend über das 20. Jahrhundert Auskunft zu geben vermag? Bei aller Wertschätzung ist der Altkanzler doch nun wirklich im vergangenen Jubeljahr anlässlich seines Neunzigsten mehr als ausführlich zu Wort gekommen. Doch gemach! Schließlich hat da ja noch ein Anderer am Gesprächstisch gesessen. Und was für einer.

Nicht ganz so alt an Jahren zwar, aber was Weisheit und Lebenserfahrung angeht, seinem Gesprächspartner in jeder Hinsicht ebenbürtig. Zudem als Sprössling einer deutsch-jüdischen Emigrantenfamilie und als führender US-Historiker sozusagen qua Geburt und Profession Experte für alles, was das zurückliegende Jahrhundert an Leben, Leiden und Lehren bereithielt. Dementsprechend handelt es sich bei dem Gespräch, das hier dokumentiert wird, um alles andere als um den Austausch von Höflichkeiten und das Schwelgen zweier Greise in den Erinnerungen an gute wie schlechte, alte Zeiten. Zwar ist Fritz Stern seinem unverhohlen bewunderten Gegenüber seit über drei Jahrzehnten in Freundschaft verbunden. Doch die Beziehung der Beiden ist nicht zuletzt aufgrund der geographischen Distanz dann doch nicht so innig, als dass der Eine den Anderen ohnehin in- und auswendig kennt. Davon kann der Leser profitieren. Denn so entspinnt sich eine äußerst lebhafte Diskussion, weit davon entfernt, sich gegenseitig nur mit Stichworten zu bedienen. Hier sitzen sich zwei Persönlichkeiten auf Augenhöhe gegenüber. Gleichermaßen belesen und eloquent, scheuen sie auch nicht davor zurück, dem Anderen Paroli zu bieten oder sogar in die Parade zu fahren – was sich ja insbesondere in Anbetracht der berühmt berüchtigten Apodiktik Helmut Schmidts in einem echten Disput kaum vermeiden lässt. Geradezu rührend andererseits, wie Fritz Stern in solchen Fällen den Freund behutsam aber bestimmt auf den Boden zurückholt, wenn sich der einmal verstiegen hat: wenn er beispielsweise das Hohelied auf den Keynesianismus des NS-Chefökonomen Hjalmar Schacht anstimmt oder über die genetische Disposition der Deutschen zum Massenmord sinniert.

Insgesamt eine ebenso spannende wie lehrreiche Geschichtsstunde, in der nicht nur die Vergangenheit Revue passiert, sondern auch die Probleme der Gegenwart nicht zu kurz kommen. – Arnold Abstreiter


Kundenrezensionen:
Rezensionen anzeigen 1-5 von 27



4 von 5 Sternen Ein Gewaltmarsch durch die Geschichte unseres Jahrhunderts   Juli 23, 2010
Hans Dampf
Die Helmut Schmidt Welle rollt weiter und jedes Apercu des hanseatischen Altkanzlers hat mittlerweile Offenbarungscharakter. Nach Erfolgstiteln wie "Außer Dienst" und den "Zigarettengesprächen" mit Giovanni di Lorenzo sieht sich deshalb auch der Beck Verlag in der unternehmerischen Pflicht, die Galionsfigur der politischen Öffentlichkeit noch einmal zu Wort kommen zu lassen. Die fühlt sich in den Verlagsräumen als Mitherausgeber einer historischen Reihe ohnehin heimisch. Und so überrascht es kaum, dass sich "Unser Jahrhundert" mittlerweile seit Wochen hartnäckig in den Bestsellerlisten hält. Für dieses Projekt hat sich der beliebteste Kettenraucher und Aufklärer der Republik einen würdigen Gesprächspartner eingeladen. Der renommierte Historiker Fritz Stern wurde 1926 als Sohn eines zum Protestantismus konvertierten jüdischen Arztes in Breslau geboren und emigrierte 1938 in die Vereinigten Staaten. An der Columbia University avancierte er zur Koryphäe auf dem Gebiet der Neueren Geschichte.
Die Versuchsanordnung ist ebenso einfach wie einträglich: Bewaffnet mit einigen Notizen fanden sich die Freunde im Sommer 2009 in der Schmidtschen Residenz am Brahmsee ein. Es folgte ein dreitägiger Gesprächsmarathon, der auf Anraten der Journalisten Nina Grunenberg aufgezeichnet wurde. Hieraus entstanden knapp dreihundert Seiten mit dem ebenso lakonischen wie ehrgeizigen Titel Unser Jahrhundert.
Mit epikureischer Weitsicht begeben sich die beiden Weltbeobachter auf einen Gewaltmarsch durch die Geschichte, der seinesgleichen sucht. So spannen sie einen Bogen vom Scheitern der Weimarer Republik über die Rolle der USA beim Wiederaufbau Europas bis hin zur deutschen Wiedervereinigung. Ganz nebenbei thematisieren sie unter anderem die Finanzierung des Sozialstaats, erörtern die Dimensionen der Finanzkrise und spekulieren über die Rolle der Deutschen in der EU. Im Vordergrund steht dabei immer das Verhältnis zwischen deutscher und amerikanischer Politik, so etwa beim Vergleich der amerikanischen Verfassung mit dem deutschen Grundgesetz. Die immense Sach- und Personenkenntnis der beiden sind bisweilen so gewaltig, dass sich der schwindelige Lesern gern an seinem Brockhaus festklammern möchte. Von Montesquieu bis Ahmadinedschad, von Alexander dem Großen zu "Wie heißt er noch?"- Guido Westerwelle, hier wird einem jeden sein Platz zugeteilt. Angesichts der aufwendigen Ausstattung des Buches wäre ein Glossar aber wohl nicht zu viel verlangt gewesen.


Sowohl der Pragmatiker Schmidt als auch der Theoretiker Stern machen keinen Hehl daraus, dass ihre Urteile nicht bis ins Letzte begründet sind und dass der Text keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Insofern ist Unser Jahrhundert kein Geschichtsbuch, sondern ein Plädoyer für Geschichtsbewusstsein. Hier debattieren zwei Zeitzeugen, die um Ihre Erfolge und Fehler wissen und auch nicht davor zurückscheuen, mit sich selbst und anderen hart ins Gericht zu gehen. So offenbart Schmidt: "Es gehört zum politischen Handwerk, das man über Lügen hinwegpfuscht." Stern: "Haben Sie das auch getan?" Schmidt: "Natürlich. Nur Professoren haben das nicht nötig."
Entsprechend authentisch und sympathisch wirken die beiden Monumente ihrer Zeit, wenn sie auch vor heiklen Themen nicht die Augen verschließen und ihrerseits nach Antworten ringen. Gab es einen spezifisch deutschen Antisemitismus? Wie war der Holocaust mitten in Europa überhaupt möglich? Diese Fragen bilden den Kern des Gesprächs und führen den Leser tief hinein in die deutsche Geschichte von Preußen nach Weimar, vom Primat des Militärischen bis zum Versailler Vertrag. Der Politiker und der Historiker liefern verschiedenste Erklärungsversuche, geraten in Dissens über die Mitwisserschaft der Deutschen an den nationalsozialistischen Verbrechen und müssen schließlich doch vor der Nichterklärbarkeit kapitulieren. Angesichts der jüngsten politischen Ereignisse fällt auch auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Deutschland und Israel ein neues Licht. In Abgrenzung zur amtierenden Regierung betont Schmidt, dass Deutschland keine besondere Verantwortung gegenüber Israel habe. Zwar scheut er sich nicht vor ignoranten Anfeindungen, weiß aber um die politische Brisanz und schlägt vor: "Lassen Sie uns das Thema verlassen, Fritz, da kommt nichts Positives mehr raus."
Auch wenn sich hinter dieser und ähnlichen Äußerungen eine gewisse Resignation vermuten ließe wird deutlich, dass man hier keiner Elegie eines Kulturpessimisten lauscht. Aus seinem Geschichtsbewusstsein heraus betont Schmidt geradezu die Neugierde auf die Gegenwart und seine Lust an der Einmischung. Wenn diese hier und da einmal zu plakativ daherkommt, wagt es der Historiker auch schon einmal, der Schmidt-Show Einhalt zu gebieten, was der Qualität des Gesprächs zu Gute kommt.
Zum Untertitel "Ein Gespräch" liest man im Nachwort: "Alles aber was ein lebendiges Gespräch ausmacht, das Kursorische, Mäandernde, Improvisierte wurde so weit wie möglich beibehalten; das gleiche gilt für den Sprachduktus." Weiterhin heißt es, dass man sich entschlossen habe "[...] die spontane Antwort und das frei gesprochene Wort im Zweifelsfall stehen zu lassen und den Text weder durch gelehrte Nachbesserung noch durch die Regeln der Hochsprache ins Prokrustesbett zu zwängen." Alle Authentizitätsbekundungen sollten allerdings nicht über den artifiziellen Charakter des Gesprächs hinwegtäuschen. Schmidt: "Wir dürfen in unserem Buch nicht Stunden über Henry reden." Stern: "Sie denken doch nicht etwa schon an das Buch?" Schmidt: "Selbstverständlich." Die beiden Gesprächspartner sind sich ihrer Kunst im Dienste des Lesers also durchaus bewusst.
Aus Zutaten von historischen Episoden, politischen Diskursen und lebhaften Anekdoten, garniert mit einer gehörigen Prise Selbstironie mischen die beiden Freunde einen Aperitif, der den historischen Durst keineswegs zu stillen vermag, aber erfrischend lesbar ist und Lust auf mehr macht. Dazu gehört auch, dass sie sich und dem Leser hier und da eine Pause verordnen, um sich in der Kneipe nebenan zu erholen.



5 von 5 Sternen Lebensweisheit und gelebte Geschichte   Juli 4, 2010
M. Lehmann-Pape
Drei Tage nahmen sich zwei alte Freunde im Jahre 2009 Zeit, um ein Gespräch zu führen.
Ein besonderes Gespräch, dessen Besonderheit allein schon in den beiden miteinander sprechenden Personen zu finden ist.

Fritz Stern, Historiker und Helmut Schmidt, Altbundekanzler und anerkannter Elder Statesman mit hoher internationaler Reputation.
Drei Vormittag und drei Nachmittage, in denen sie gemeinsam das 20 Jahrhundert Revue passieren lassen. Je ihre Erfahrungen und Interpretationen der Zeitgeschehnisse im Gespräch miteinander teilen, bewerten und mögliche Lehren aus der Geschichte gemeinsam ziehen.

Vom "Maulhelden" Kaiser Wilhelm II (H.Schmidt) über vertane Chancen der Weimarer Republik, über die Zeit des zweiten Weltkrieges, die junge Bundesrepublik, das transatlantische Bündnis, das zueinander wachsende Europa bis zur Gegenwart.
Zwei Freunde, die es beide verstehen, pointiert auf den Punkt genau zu argumentieren und die beide aus einem hohen Sachverstand einerseits und einer reichhaltigen Fülle von Lebenserfahrungen andererseits zu schöpfen vermögen.

Beste Zutaten und Voraussetzungen also für einen weiten und breiten Blick auf festem Fundament.
Voraussetzungen, die beide nicht .enttäuschen, ganz im Gegenteil.

Selten öffnete der privat eher wenig zugängliche Helmut Schmidt den Blick in der hier vorliegenden, intensiven Form auf seine Kriegsjahre. Erfahrungen, Erlebnisse, Bewertungen, in denen er sich mit Fritz Stern durchaus einig ist.
Eine Einigkeit, die natürlich bei zwei solche eigenständige Charakterköpfen sich nicht über alle Themen des Buches hinweg zieht. In der Bewertung des schriftlichen Nachlasses Helmut Schmidts vertreten beide andere Standpunkte, ebenso, und das fundamental, in der Bewertung des Verhältnisses der deutschen Bevölkerung der Nazi Zeit im Blick auf den Holocaust. Stern beharrt, völlig zu Recht, auf einem "Gewusst haben müssen" der Deutschen der damaligen Zeit.

Gerade die eigenständig und jeweils persönliche Stärke beider Beteiligter ist der besondere Reiz dieses Gespräches. Allzu oft treten Interviewer und Moderatoren Helmut Schmidt äußerst servil gegenüber, kaum mehr als reine Stichwortgeber.
Sicher hat es immer einen Reiz, Vorträge aus dem Mund des großen Mannes zu hören und natürlich ist auch in diesem Buch allzeit die Persönlichkeit des Altbundeskanzlers präsent, so sehr, dass man fast vermeint, ihn sprechen zu hören, während man liest. Hier aber hört (liest) man ihn in einem Gespräch auf Augenhöhe. Eigenständige Erinnerungen, Argumente, Beiträge, Betrachtungen kommen von beiden Seiten, ein lebhafter Austausch, der zu keiner Zeit langweilig wird.

Eine Lebhaftigkeit durchzieht das Buch, die allzeit zu spüren ist. Assoziationen treten neben altbekannte und geschliffene Formulierungen, ein gegenseitiges Herantasten an manchen Stellen (das heikle Thema Israel) stehen neben Gesprächsabschnitten fast im Vortragsstil.

Dass vor allem Helmut Schmidt, letztlich aber beide Gesprächspartner keine sonderliche hohe Meinung von der gegenwärtigen politischen Lage und den handelnden Politikern besitzen, wird zudem äußerst deutlich.
Ein hervorragendes, zeitgeschichtliches Dokument zweier starker Menschen, die sich auf Augenhöhe in entspannter Form begegnen und eine Fülle informativer und fundierter Betrachtungen ihrer gelebten Lebensgeschichte und der vielen daran Beteiligten Personen in den Raum stellen. Zudem zweier Persönlichkeiten, die klare Standpunkte und begründete Meinungen offensiv vertreten.



5 von 5 Sternen Geschichte life   Juni 29, 2010
G. Herbert
Geschichte life - Helmut Schmidt garantiert authentisch und offenherzig seine Erfahrungen. Neugierig war ich auf Fritz Stern, den ich noch nicht kannte. Ich bin auf alle Fälle sehr zufrieden.


4 von 5 Sternen Fesselnder Dialog zur Zeitgeschichte   Juni 13, 2010
Regina Károlyi Media-Mania.de
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Dieses Buch soll und kann kein Abriss der Geschichte des 20. Jahrhunderts sein. Es berührt nicht alle wichtigen Aspekte und geht auch nicht immer allzu sehr in die Tiefe, aber selbst wenn ein Thema nur flüchtig gestreift wird, fesselt es doch, wie der Politiker und der Historiker, beide auch auf dem Berufsfeld des jeweils anderen sehr bewandert, einander elegant Bälle zuwerfen.
Stern und Schmidt sind aus politischer Sicht keine Gegenpole, sodass es nicht zu einem erbitterten Schlagabtausch kommt, sondern höchstens um Details gefochten wird - mit dem Florett, sehr charmant, wenngleich vor allem Schmidt gern nachdrücklich auftritt. Immer zeigt sich die Wertschätzung zwischen den Dialogpartnern.
Beide Autoren pflegten über die Jahrzehnte Kontakte zu bedeutenden internationalen Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Kultur und Religion, die nun in den verschiedensten Anekdoten auftreten. Dennoch verlieren Schmidt und Stern nicht den roten Faden, und so entsteht auch keine Langeweile.
Nicht zuletzt, wenn die Rede auf aktuelle Ereignisse kommt, was bei einer Betrachtung des 20. Jahrhunderts unvermeidlich ist - haben die damaligen Entwicklungen doch die Weichen für das jetzige Jahrhundert gestellt -, zeigt sich, dass die Autoren nicht nur in puncto Geschichte, sondern auch in Bezug auf die Tagespolitik bestens informiert sind. Sie nehmen Stellung zu Themen wie dem Türkeibeitritt zur EU und grundsätzlichen Problemen der EU-Erweiterung, zur derzeitigen Finanzkrise und deren Hintergründen und vielen anderen Aspekten.
Man mag ein wenig Schmidt-müde geworden sein angesichts der vielen Veröffentlichungen des Altkanzlers und seines häufigen Auftretens als moralische Instanz, aber dieses Buch weckt Interesse an der Zeitgeschichte und begeistert sicher nicht nur Schmidts politische Gesinnungsgenossen, zumal sich Schmidt keineswegs nur kritisch über frühere Gegner oder ausschließlich lobend über die SPD äußert, sondern abwägt. Und Fritz Stern, der keineswegs rein distanzierte Historiker, bildet einen sympathischen Konterpart. Es kommt bei Meinungsverschiedenheiten nicht immer zum Konsens, aber gerade das gefällt an diesem Buch: Widersprüche werden nicht mit Gewalt aufgelöst.
Die beiden Sprecher vermitteln gut die Atmosphäre, die während des Gesprächs geherrscht haben muss, das gelegentliche eifrige Ins-Wort-Fallen, kurze Denkpausen, Schmidts Ermahnung an Stern, nicht so schnell zu sprechen, spontaner Widerspruch. So wirkt das Gespräch in der Hörbuchfassung besonders lebendig. Der Hörer wird auch den erwähnten Auszug aus dem originalen Mitschnitt zu schätzen wissen.
Sehr empfehlenswerte, auch von der Aufmachung her attraktive "Audio-Lektüre" für politisch und zeitgeschichtlich Interessierte jeden Alters!



4 von 5 Sternen Infotainment, das bildet!   Juni 9, 2010
Dimitri Banick (Hannover)
Das Konzept dieses Buches geht auf. Der Historiker und der Politiker werfen sich gegenseitig die Bälle zu und lassen den Leser an der untrennbaren Verquickung von Geschichte und Politik - mit dem Fokus 1945 bis heute - teilhaben. Unaufdringlich, in klarer Sprache, ohne syntaktische Verrenkungen; zum Teil auch etwas (zu) speziell, wenn privat-geschäftliche Bindungen ausgelotet werden, immer jedoch mit klarer Stellungnahme, interessanten Fragen und präzisen Konklusionen. Und nicht zuletzt: geistreichen Bonmots.

Das Werk ersetzt kein Geschichtsbuch. Fragen werden behandelt - ohne dass die der Frage zugrunde liegenden (vorgelagerten) Ereignisse rekapituliert werden. Der Leser sollte also in Politik und Geschichte einigermaßen firm sein und Zusammenhänge der Weltgeschichte kennen.

Wundern darf sich der Leser trotzdem. Wie die beiden Gesprächspartner, die keine Erklärung für Hitlers Kriegserklärung an die USA finden. "Unverständlich!" - "Absolut".

Heikle Fragen, wie die Politik Israels (auch Antisemitismus in Deutschland und Europa vor den beiden Weltkriegen) und die Reaktionen darauf von amerikanischer und deutscher Seite, werden erörtert. Ob Deutschland eine "besondere" Verantwortung gegenüber Polen hat. Wie der bedeutende Historiker Tocqueville prophetisch voraussah, dass es zu einem Zweikampf der Ideologien/Großmächte zwischen Amerika und Russland kommen würde. Was die beiden Bushs unterscheidet.

Jedenfalls viel Stoff zum Nach- und Überdenken. Auch zum Staunen, weil man die eine oder andere Aussage/Situation/Reaktion so klar bisher noch nicht gesehen hat.


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