Der Mensch: Eine Karriere | 
| Autor: Wolf Schneider Urheber: Wolf Schneider Verleger: Rowohlt, Reinbek
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Bewertung: 2 Rezensionen Verkaufsrang: 44531
Medium: Gebundene Ausgabe Seiten: 495 Versandgewicht: 1.6 Maße (innen): 8.7 x 5.9 x 1.7
ISBN: 3498064053 EAN: 9783498064051
Publikation: Oktober 6, 2008 Verfügbarkeit: Gewoehnlich versandfertig bei Amazon in 24 Stunden
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Fragwuerdiges Geschichtsverstaendnis November 1, 2008 Lobo Andar 2 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
Herr Schneider verspricht das grosse Panorama ueber hunderttausend Jahre Menschheitsgeschichte. Diese Buch ist sein Alterswerk (Herr Schneider ist Jahrgang 1925) und seine subjektive Sicht der Weltgeschichte. Verdraengung, Verschweigen, Verdrehen, Verunglimpfung und Verhinderung sind seine Mittel diese darzustellen. Dazu einige Beispiele: Da ist zum einen sein verhindertes Verstaendnis von Vorgaengen, die beim derzeitigen Klimawandel ablaufen. Auf S. 309 stellt Herr Schneider die Argumente von Al Gore als falsch dar und reiht ihn in die Gruppe der weltfremden Politiker ein. Aber Herr Schneider will oder kann nicht begreifen, dass der derzeitige Klimawandel sich fundamental von denen unterscheidet, die es in der Vergangenheit immer wieder gegeben hat, denn neu ist die noch nie dagewesene und immer weiter ansteigende Konzentration von Kohlendioxid in der Luft. Es passiert derzeit ein Experiment mit dem Weltklima, dessen Ausgang voellig ungewiss ist. Die Eisenbahngeschichte stellt Herr Schneider im Kapitel 26 bis zum Jahr 1916 dar und dann wieder mit einem kurzem Abriss der gegenwaertigen Entwicklungen. Die politisch-militaerische Rolle der Eisenbahnen erlaeutert Herr Schneider am Beipiel des amerikanischen Buergerkrieges. Schoen weit weg, sowohl raeumlich als auch zeitlich. Er verdraengt das Naheliegende, das was in Deutschland passierte. Welche Rolle spielte die deutsche Reichsbahn in Hitlers Nazi-Regime, z.B. bei der Deportation der Juden? Oder waere so eine Darstellung vielleicht Nestbeschmutzung? An andere Stelle (S.396) ist zu lesen, dass Herr Schneider den ehemaligen Praesidenten der USA, Ronald Reagan, des Friedensnobelpreises fuer wuerdig haelt. Es darf nur daran erinnert werden, dass z.B. Reagan vorsah, im Falle eines kriegerischen Konfliktes Mitteleuropa zum atomaren Schlachtfeld fuer die Verteidigung der USA zu machen. Herr Schneiders Politikgeschichte ist in wirklich einmaliger Weise verdreht. Auch die Kampagne der Gruenen zum Waldsterben in den achtziger Jahren bekommt ihr Fett weg. Waldsterben, waere ja krass uebertrieben, es faende ja nur eine Kronenverlichtung statt, so Herr Schneider auf S.444. Er verschweigt, dass die Kampagne zum Waldsterben auch dazu beigetragen hat ueber sauren Regen und Luftverschmutzung zu reden und schliesslich Luftreinhaltemassnahmen zu ergreifen. Im uebrigen ueberleben viele Waelder nur weil sie regelmaessig mit Kalk (zur Neutralisierung des uebersaeuerten Bodens) geduengt werden. Die Darstellung der christlichen Religion als eine Kriegsreligion (S.391) ist eine Verunglimpfung. Herr Schneider hat nichts von der Bibel verstanden. Fuer alle Interessierten sei auf Papst Benedikt XVI. verwiesen: Dass da, wo Gott den Menschen ausser Sichtweite geraet, auch der Friede verfaellt und die Gewalt mit vorher ungeahnten Grausamkeiten ueberhandnimmt, sehen wir heute nur allzu deutlich (aus: Jesus von Nazareth, 2007, S.116). Mein Fazit lautet: Herr Schneider stellt eine fragwuerdige Sicht gerade der juengeren Geschichte dar, die man sich wirklich sparen kann zu lesen. Schade um die Baeume, die zur Herstellung des Papiers fuer dieses Buch gefaellt werden mussten.
Eine Weltsekunde lang Sinn. Mehr gibt's nicht. Oktober 6, 2008 Frohmut Menze (Lichtenau-Scherzheim) 6 aus 6 fanden die folgende Rezension hilfreich
50 kompakte Kapitel auf 450 Seiten. Dazu noch 40 Seiten Zeittafel, Literaturverzeichnis, Namen- und Sachregister. 11 Farbfotos, darunter das anruehrendste: Unser blauer Planet im kalten Universum. Es geht also um uns Menschen, um die Karriere, die wir vollzogen haben. Knapp 2 Millionen Jahre alt ist unsere Gattung, aber den Homo sapiens sapiens gibt es erst rund 100.000 Jahre. Bis zu den ersten 500 Millionen Exemplaren unserer Gattung (um das Jahr 1500 n. u. Z.) haben wir die Erde nicht sehr veraendert (ein paar Waelder abgeholzt, ein paar Laender erobert, aber weder das Klima veraendert noch die Erde gross bebaut oder ausgehoehlt oder verschmutzt). Schneiders Themen: Die Unterwerfung der Natur, Die Unterwerfung der Menschheit durch die Europaeer, Die Herrschaft ueber den Planeten, Der Hang zum Uebermut, So weit haben wir's gebracht, Was uns droht, Was koennte uns helfen? - das sind die grossen Bereiche, die Wolf Schneider souveraen aufbereitet. Mit freundlicher Skepsis schaut er sich Urteile und Vorurteile an und macht sich ein bisschen lustig ueber unsere Klima-Sorgen und zitiert mit sichtlicher Freude Lomborgs Liste, deren Basis die Ueberlegung darstellt, mit welcher Summe Geldes man den groessten sozialen Mehrwert erzielen koenne, also den groessten Effekt fuer eine Menge gegebenen Geldes. Und das ist die Reihenfolge: 1. Aids bekaempfen (fuer einen Dollar Einsatz gibt es spaeter 40 Dollar zurueck); 2. Durch Vitamine und Mineralstoffe die Fehlernaehrung bekaempfen; 3. Die Handelsschranken beseitigen; 4. Die Malaria bekaempfen; 5. Durch neue landwirtschaftliche Methoden die Unterernaehrung bekaempfen; ... Die CO2-Besteuerung kommt erst an 12. Stelle, unmittelbar vor der Verwirklichung der Forderungen des Kyoto-Protokolls. Der Autor geniesst es, unsere (Vor)Urteile ueber die edlen Wilden (von wegen Suedsee! - Blutrache, Kopfjagd und Krieg!), Fleischkonsum (ueber die Haelfte allen Getreides wird fuer die Fuetterung der Rinder verwendet), Leben im Universum (der Gipfel der Unwahrscheinlichkeit), die amerikanische Unabhaengigkeitserklaerung von 1776 (damals noch "that all men are equal", zwoelf Jahre spaeter unterschied die amerikanische Verfassung dann bereits zwischen Buergern ("citizens") und Sklaven ("persons held to service or labor"), die eben keine Freiheitsrechte besassen) zu betrachten und auf den Pruefstand der Realitaet zu stellen. Verblueffend. Man mag darueber larmoyieren, dass Schneider bei den draengenden Problemen unserer Gegenwart etwas zu wenig ueber die drei E referiert (Energie-Effizienz, Erneuerbare Energien und Energie-Sparen)und natuerlich geht er auch darauf ein, aber letztlich ist das fuer ihn auch nur Tagespolitik. Sein Fazit aus allem: "Leben lohnt sich. Tun wir was, damit die Erde denen, die nach uns kommen, noch eine Weile eine Bleibe ist" (S. 452). Und warum sollten wir das? Das beschreibt er ein bisschen umstaendlicher als in seinem Buch vom Glueck: "In die unermessliche Sinnlosigkeit des toten Universums haben wir eine Weltsekunde lang ein bisschen Sinn hineingemogelt - das Leben, das Lachen, das Lieben; das Denken, das Suchen, die Kunst." Ja, damit koennen wir leben. Und damit muessen wir leben. Mehr gibt's nicht.
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